
gigi — Wie in Karlsruhe eine Pizza-Marke entsteht, die nicht nach Lieferdienst aussieht
Ausgangslage
Karlsruhe, Amalienstraße 53. Ein neues Konzept will in eine Stadt, die Lieferdienste kennt — und genau deshalb wenig erwartet. Der Markt ist voll mit Plattform-Optik: rote Banner, gelbe Buttons, generische Stock-Fotografie, Pizza-Bilder, die aussehen, als kämen sie aus demselben Ordner wie die der Konkurrenz drei Straßen weiter.
Gigi wollte das Gegenteil. Kein Lieferdienst-Look. Ein Restaurant, das liefert — nicht ein Lieferservice, der kocht. Der Anspruch: Italienisches Handwerk, ehrliche Zutaten, eine Marke, die man spürt, bevor man bestellt.
Der Auftrag an uns war klar formuliert und bewusst schmal gehalten: Website und Produktbilder. Aus einer Hand.
Diese Entscheidung — nicht zu splitten — war der wichtigste Moment des Projekts.
Warum Website und Produktbilder zusammengehören
Die meisten Gastro-Launches laufen anders. Ein Webdesigner baut die Seite. Ein Fotograf macht die Bilder. Eine dritte Person schreibt die Texte. Niemand hat mit dem Koch gesprochen. Das Ergebnis wirkt nach außen wie eine Marke — ist aber in Wahrheit eine Collage aus drei Handschriften, die sich nie getroffen haben.
Der Gast merkt das nicht bewusst. Er merkt es in einem Millisekunden-Gefühl beim Scrollen: etwas passt nicht. Die Farbe des Basilikums auf dem Foto matcht nicht die Akzentfarbe der Website. Der Schatten auf dem Produktbild kommt von links, das Lichtkonzept der Seite von rechts. Die Pizza wirkt inszeniert, die Bildsprache austauschbar, das Vertrauen sinkt um einen Wert, den keiner messen kann — aber jeder bestellt dann doch woanders.
Wir arbeiten nach einem anderen Prinzip. Farbwelt, Bildsprache, Tonalität, Layout-Rhythmus — alles wird gemeinsam gedacht, nicht nacheinander produziert. Für Gigi hieß das konkret: Bevor die erste Pizza fotografiert wurde, stand die Designsprache der Website. Bevor der erste Website-Entwurf lief, war klar, wie die Produkte aussehen würden.
Die visuelle Haltung — „Trust No Hype“
Gigis eigener Claim steht auf der Startseite: Trust No Hype.
Der Satz war für uns zuerst eine Regel, dann ein Design-Prinzip. Keine Stock-Pizza. Keine künstlich inszenierten Food-Shots, die mit dem eigentlichen Produkt nichts zu tun haben. Kein Clickbait-Visual, das auf der Straße eine andere Pizza zeigt als in der Pappe.
Stattdessen: Das Produkt selbst, kompromisslos geshootet. Dunkle, cinematische Hintergründe. Hohe Kontraste. Farbwelten, die bewusst nicht auf Dopamin-Orange und Signal-Rot setzen, sondern auf Tiefe und Ruhe. Pizza nicht als Fast-Food-Reiz, sondern als handwerkliches Objekt.
Der Effekt: Die Bilder funktionieren auf der Website, auf Social Media, auf Print-Flyern und auf dem Aufsteller im Restaurant — ohne jedes Mal neu produziert zu werden. Eine Bildsprache, nicht dreißig.
Website-Architektur
Die Seite folgt drei Prinzipien, die bei Gastro-Launches selten konsequent umgesetzt werden.
Erstens: Bestellen darf nicht behindert werden. Der PLZ-Check steht oben, der Weg zum Shop ist kurz, keine Cookie-Opulenz zwingt den Gast in einen Click-Marathon. Der Launch-Moment einer Delivery-Marke ist der Moment, in dem jemand Hunger hat. Jeder zusätzliche Click kostet Bestellung.
Zweitens: Die Marke wird erzählt, nicht behauptet. Statt Floskeln über „Qualität“ und „Leidenschaft“ übernimmt die Bildsprache das Erzählen. Der Text begleitet — er dominiert nicht. „Seit 2026 in Karlsruhe“ statt „Seit Jahren Ihre erste Wahl“. Fakten statt Pathos.
Drittens: Die Community ist Teil der Architektur. Der Gigi Club ist nicht als Marketing-Anhängsel eingebaut, sondern strukturell verankert — Credits sammeln, Rewards freischalten, Wiederkehr wird belohnt. Für einen Delivery-Case ist die zweite Bestellung wertvoller als die erste. Die Seite zieht das durch.
Produktfotografie als Marken-Fundament
Produktbilder sind in der Gastronomie der am meisten unterschätzte Marken-Hebel. Sie laufen auf jedem Kanal, jedem Lieferportal, jedem Social-Post, jedem Bestellsystem. Wenn sie schwach sind, trägt die Marke jede Schwäche mit.
Für Gigi haben wir die Produktlinien — Pizza, Pasta, Salate, Dessert — als geschlossene Bildserie angelegt. Gleiches Lichtkonzept. Gleiche Perspektive-Logik. Gleiche Nachbearbeitung. Ein Gast, der eine Pizza sieht und danach ein Dessert, versteht ohne Nachdenken, dass das dieselbe Küche ist.
Das klingt selbstverständlich. Wer Restaurant-Websites ansieht, merkt schnell, dass es das nicht ist.
Ergebnis
Gigi Delivery ist seit Launch in Karlsruhe live. Die Marke funktioniert auf der Website, auf Social Media, im Restaurant in der Amalienstraße und auf allen Touchpoints, die in den kommenden Monaten dazukommen. Sie ist robust gegen Skalierung — weil das Fundament nicht aus Einzelteilen zusammengeklebt wurde, sondern als Ganzes gedacht ist.
Für uns war Gigi mehr als ein Kundenprojekt. Es war ein Beweis für eine These, die wir seit fünfzehn Jahren vertreten: Eine Marke entsteht nicht aus einzelnen Disziplinen, die sich nacheinander zu Wort melden. Sie entsteht, wenn alle Disziplinen von Anfang an am selben Tisch sitzen.




